Predigten Scheier

 

Predigt - Ewigkeitssonntag 2020

Offenbarung 21, 1-7

 
Der Tod
Ein Thema, das wir Menschen nicht gerne ansprechen, das uns beklemmt.
Oft klammern wir den Tod aus, sprechen nicht darüber und doch ist er sehr präsent. Für einige von Ihnen in diesem Jahr besonders, weil sie einen geliebten Menschen verloren haben, weil sie der Schmerz jeden Tag an den Tod erinnert. Aber auch für alle von uns. In dieser Zeit wird es besonders deutlich. Wir alle tragen Masken, halten Abstand, singen im Gottesdienst nicht, treffen uns nicht mehr und das alles, weil der Tod sich breit macht, weil wir Angst davor
haben.
Aber was ist es eigentlich, dass ihn so furchteinflößend und grausam macht?
Er ist nicht willkommen, zumindest meistens. Wir sehen ihn auch zwei Blickwinkeln. Der Tod, der uns irgendwann holen wird und der Tod, der Menschen aus unseren Leben wegführt. Ist es eigentlich die Angst davor, nicht zu wissen, was dann kommt? Sowohl für uns als auch für unsere Lieben. Oder ist es die Trennung, die der Tod oft verursacht, die ihn so grausam macht?
Was auch immer es ist, dass Ihnen am Tod Angst macht, wie sehr er vielleicht die letzten Wochen und Monate beeinflusst hat - es gibt Hoffnung.
Ich weiß, dass man das nicht immer hören kann oder mag. Also lassen Sie mich ein bisschen ausholen.
 
Zunächst möchte ich Ihnen den Predigttext für heute vorlesen.
Offenbarung 21, 1-7:
Die Offenbarung ist oft ein sehr seltsames Buch.
Viele Dinge wirken sehr fantastisch, unglaublich, eher wie aus einem Film. Eigentlich so auch dieser text heute. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn es tatsächlich um die Zukunft der Erde geht, wenn unsere Realität ein Ende findet. Wenn Gott sich endgültig ausbreitet und das tut, was wir uns vielleicht manchmal wünschen, ohne zu wissen was das bedeutet, dass er kommt und Gerechtigkeit bringt. Auf jeden Fall malt dieser Text ein Hoffnungsbild. Wenn ich die Worte auf mich wirken lasse, ohne dass ich immer wirklich verstehe, was dort steht, merke ich, wie Gott mir eine wundervolle, hoffnungsvolle Perspektive aufzeigt.
- Hoffnung -
Dabei geht es nicht nur um ein Leben nach dem Tod, darum, dass es einmal alles besser sein wird, dass unsere Lieben, die wir vermissen und gehen lassen mussten, es nun wohl besser haben. Es geht auch um eine neue Realität in der wir leben können. Jetzt schon.
Jesus hat den Tod besiegt, so heißt es.
Er ist vom Tod auferweckt. Es ist für unsere Sünden gestorben.
Wie oft haben Sie das vielleicht schon gehört, aber eigentlich macht es für Sie keinen Sinn, vielleicht wissen Sie auch gar nicht ob Sie das glauben oder Sie wissen, dass Sie das nicht glauben…
Meine Grundvoraussetzung ist - wenn es Gott gibt, wenn Gott, der Herr über Himmel und Erde wirklich existiert, dann ist Ihm alles möglich. Also sollte auch eine Auferwecken vom Tod ein Klacks für ihn sein.
Als zweites müssen wir einmal klären, dass „für unsere Sünden gestorben“ nicht heißt, dass wir alle so schlecht sind, dass jemand dafür sterben muss. Sünde ist mit dem Wort Sund verwandt. Ein Sund ist Wasser, dass zwei Landstriche trennt. Sünde bedeutet demnach das, was uns von Gott trennt. Ein Zustand, den wir selbst gar nicht beheben können, der aber in seiner Folge das bewirkt, was wir dann Sünden nennen. So weit in aller Kürze. Aber damit wird deutlich was es heißt, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist - er hat die Trennung zwischen uns und Gott überwunden. Gott wusste, wir können diese Trennung nicht überwinden. Egal wie viele Boote wir bauen, wie sehr wir uns anstrengen, diesen Zustand der Gottesferne ist Teil unseres Menschsein. Und doch wollte er zu seinen geliebten Menschen. Er hat es nicht mehr ausgehalten, wollte uns nahe sein - also musste er diesen Sund selbst überwinden. Er musste Mensch werden.
Weiter heißt dann „er hat den Tod besiegt“, dass das was den Tod und seinen Machtbereich ausgemacht hat, ebenfalls eine Trennung von Gott, ein Bereich in dem
Gott nicht war, weil er das Leben ist und im Tod kein Leben ist. Diesen Bereich des Todes, oder wenn man es ausweiten mag, den Bereich des Bösen, der Hölle, wie auch immer man es nennt… in diesen Bereich ist Gott nun auch eingetreten.
Die Macht des Todes, ein Bereich in dem er das sagen hat, weil Gott dort nicht ist, das gibt es nicht mehr. Und damit ist nicht nur die Zeit nach dem Versterben gemeint. Wenn wir Tod mal mit dem Bösen gleichsetzen wird es vielleicht deutlicher - Die Macht des Bösen ist genommen. Es gibt keinen Ort mehr, an dem Gott nicht ist. Aber wenn Gott in den Tod gegangen ist, dann ist der Tod, nicht mehr was er war. Dann ist die Macht, das Verhängnisvolle, das Lebensferne vergangen. Gott das Leben hat den Tod mit Leben gefüllt. Aber das wiederum kann nur heißen, dass Gott dort nicht bleibt. Der Tod wird aufgebrochen. Gott ersteht wieder auf, er bleibt nicht gefangen im Tod, sondern zerstört seine Macht.
Ich weiß, das ist alles sehr theoretisch, danke, dass Sie bis hierher ausgehalten haben.
Denn was hat das mit uns und vor allem mit Ihnen, in ihrer Situation zu tun?
Hoffnung
Es ist nicht so, als wäre alles was schlecht, schmerzhaft oder leidvoll ist aus unseren Leben oder aus der Welt verschwunden. Auch die von Ihnen, die nicht um jemanden trauern erleben die Macht des Todes jeden Tag. Wir alle erleben das Sterben von Beziehungen, von Fähigkeiten, von Natur. Aber auch wenn das alles uns tagtäglich begleitet, eigentlich hat es schon keine Macht mehr!
Das was in der Offenbarung erzählt wird, ist keine Zukunftsvision, das ist bei Gott schon Wirklichkeit. Zeit gibt es bei Gott nicht, wie bei uns. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen, sind gleichzeitig und unwichtig.
Das also alles Leid und aller Schmerz ein Ende hat, das ist bei Gott auch schon jetzt so.
Wenn es bei Gott nämlich keine Zukunft in unserem Sinne gibt, weil Zeit bei ihm anders existiert (wie sonst könnte er überall und zu jeder Zeit sein?) ja dann ist das, was wir für Zukünftiges halten, bei ihm schon Gegenwart und Vergangenheit zusammen.
Und manchmal erleben wir das auch schon hier. Manchmal kommt das in meinem Herzen an und ich merke, wie mich diese Erkenntnis befreit und erlöst. Ich kann Ihnen gar nicht von großen Erlebnissen berichten, in denen es mir so ging. Ich glaube es ist eine Haltung, eine Einstellung, etwas woran ich mich immer wieder erinnern muss. Das was mir täglich Kraft gibt aufzustehen. Es gibt eindeutig Momente, in denen mich Probleme, Sorgen oder Traurigkeit einholen, mich  runterziehen. Hoffnung und Kraft bekomme ich dann durch die Erinnerung daran, dass Gott da ist, dass Er das alles schon besiegt hat und dass ich aus diesem Wissen entspannter und gelöster leben darf. Das was Ihnen hoffentlich zusätzlich ein Trost sein mag, ist die Erkenntnis, dass diese Wirklichkeit, die für uns immer nur stückweise erkennbar ist und uns befreit, für die Verstorbenen vollkommene Wirklichkeit ist.
Die Vision der Offenbarung ist für sie klar sichtbar und erlebbar.
Dennoch behält der Tod diese Macht, dass er uns von unseren verstorbenen Lieben trennt und das schmerzt. Keine Reisen, keine eigene Anstrengung kann diese Trennung aufheben, gegen den Tod, sind wir machtlos. Aber wir dürfen uns daran festhalten, dass Gott es nicht es! Wir haben die Möglichkeit uns immer wieder daran zu erinnern und aus der Erkenntnis zu leben, dass Gott dem Tod, dem Bösen, schon die Macht genommen hat.
Das heißt leben aus der Gewissheit, dass obwohl wir manchmal noch leiden gleichzeitig eine Wirklichkeit existiert, in der wir das schon nicht mehr tun, in der wir mit unseren Lieben wieder zusammen sind, in der es kein Leid mehr gibt.
Amen.

 

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